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30.09.2019

Auf den Spuren der Argonauten und der Heiligen Nino

Foto: Rostyslav Myrosh

(op) Georgien ist tatsächlich wie ein Mosaik, wie uns unser georgischer Reiseleiter vor der Reise ankündigte. „Jedes Steinchen ist anders und bezaubernd – zusammengesetzt jedoch werden sie zu einem Kunstwerk“. Und wie sammelt man diese Steinchen am besten? Natürlich mit eigenen Augen, mit eigenem Leib und eigener Seele, indem man nach Georgien reist. So begab sich eine 46 Personen zählende Reisegruppe von Studenten und Freunden des Collegium Orientale in dieses kaukasische Land (24.8.-7.9.2019).

Dreizehn Tage durften wir als pilgernde und studierende Gemeinschaft quer durch das Land reisen, vom Osten in den Westen und vom Süden in den Norden. Wir gingen auf den Spuren der Argonauten in Kutaisi (des antiken Kolchis mit seiner Sage von den Argonauten mit dem Goldenen Vlies), zu Fuß und mit Boten in die unterirdische tropfsteinartige Prometheus-Höhle bei Kumistawi. Wir wanderten in Ratscha durch die bergige Landschaft und standen zu Füßen des Kazbeqi, der höchsten Spitze des Kaukasus in Georgien, an der Prometheus von den Göttern zur Strafe angekettet werden sollte, da er aus Fürsorge für die Menschen diesen das bei den Göttern gestohlene Feuer brachte.

Das Grundsätzliche auf der Fahrt war die Erfahrung der beeindruckenden Glaubensgeschichte des georgischen Volkes. Den christlichen Glauben brachte noch 4. Jahrhundert die ,apostelgleiche‘ Nino (+361), ,die Erleuchterin Georgiens‘. Durch die Christianisierung des damaligen König Mirian III. verbreitete sich das Christentum, verstärkt durch das Glaubens- und Netzwerk der sogenannten Dreizehn Syrischen Väter, Missionare und Wandermönche aus Mesopotamien. So besuchten wir neben vielen anderen bedeutenden Orten das Frauenkloster in Bodbe, das für das Grab und die letzte Ruhestätte Ninos Sorge trägt und es nach der christenfeindlichen kommunistischen Zeit wieder zum Blühen brachte. Das durch die Halbwüste von der Welt abgeschnittene Höhlenkloster David Garedja, die Klöster und Kirchen von Nekresi, Ikalto, Alawerdi und Stepantsminda führten uns an die Niederlassungsorte einiger der Dreizehn Syrischen Väter.

Die eindrücklichen Spuren des Goldenen Zeitalters Georgiens im 11.-12. Jahrhundert wurden für uns an mehreren Orten greifbar und sichtbar: die beiden Akademien von Ikalto im Osten oder Gelati im Westen, die damals über die Grenzen Georgiens hinaus bekannten Bildungseinrichtungen, die Hauptstadt Tbilisi (Tiflis), besonders ihre Altstadt, oder die nahe der türkischen Grenze gelegene Höhlenstadt Wardzia. Sie alle sind nach wie vor Zeugen einer Epoche, in der die georgischen Könige die verstreuten georgischen Fürstentümer geeint, das kirchliche Leben reorganisiert und den Glauben verlebendigt hatten. Unübertrefflich in ihrer Schönheit und Ausdruckskraft sind dabei die Steinmetz- und Meißel-Arbeiten in Nikortsminda, die Fresken von Kintswisi, die weltlichen und kirchlichen Kunstgegenstände in den Museen und Schatzkammern von Tbilisi und Kutaisi oder das georgische Nationalepos „Der Recke im Tigerfell“ von Shota Rustaweli (ca. 1171-1216), ein literarisches Meisterwerk der Menschheitsgeschichte in georgischer Sprache.

Natürlich durfte die alte Hauptstadt Georgiens, die „heilige Mtskheta“, in der Nähe von Tbilisi, nicht fehlen. Dies ist der Ort, in dem sich das bedeutendste Heiligtum Georgiens befindet, die Kathedrale Sweti Zkhoweli (= die Lebenspendende Säule). Unter dieser Säule ist – nach den Worten unseres georgischen Reiseleiters Mirian Gamrekelashvili, eines ehemaligen Studenten des Collegium Orientale – „das Herz eines jeden Georgiers und einer jeden Georgierin vergraben und schlägt dort ununterbrochen“.

Alle Besichtigungen wurden auf eine lebendige Art durch die Begegnungen mit Fachleuten und Geistlichen vor Ort erschlossen. Sie gaben uns ausgiebige Informationen zur Geschichte der georgischen Kultur, zur politischen und gesellschaftlichen, nicht immer leichten Entwicklung des Landes, das sich nach dem europäischen Westen sehnt und sich doch von der kommunistischen Vergangenheit noch nicht vollständig erholt hat. Die Begegnungen und Gespräche wurden durch die tägliche georgische Gastfreundschaft begleitet, die uns oft ganz unbekannte und doch köstliche georgische Speisen und nicht zuletzt immer wieder einen edlen georgischen Tropfen verkosten ließ. Für die Organisation und die inhaltliche Erschließung des Landes danken wir herzlich und ausdrücklich Mirian Gamrekelashvili und Tengiz Dalalishvili.

Die gesamte Reise war für alle Teilnehmer ein Geschenk Gottes, auch durch die Menschen, die sie für uns sowohl in Eichstätt wie auch in Georgien vorbereitet und durchgeführt haben; dafür sind wir dankbar. Wir durften erleben: Georgien ist eine Reise wert, und nicht nur eine!#

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