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28.05.2018

Malankarischer Qurbono im barocken Eichstätt

Malankarischer Qurbono im barocken Eichstätt

Foto: Rostyslav Myrosh

(ml) Am Sonntag, den 27. Mai 2018 fand in der Schutzengelkirche in Eichstätt eine feierliche Eucharistiefeier im Ritus der syro-malankarischen Kirche statt. Dem Gottesdienst stand das Oberhaupt dieser Kirche, Seine Seligkeit Baselios Kardinal Cleemis, Katholikos-Großerzbischof, aus Kerala in Südindien, vor. Der liturgische Gesang in altsyrischer Sprache, im Malayalam, der heutigen Sprache der Christen in Kearala, und in Deutsch wurde von vier muttersprachlichen Ordensschwestern unterstützt, die mit ihren engelgleichen Stimmen die 567 Engel der Schutzengelkirche wunderbar ergänzt haben. An den Feierlichkeiten und der anschließenden Agape nahmen auch die Vertreter des Weltkirchenreferats der Diözese Eichstätt, die Leitung und die Alumnen des Collegium Willibaldinum, zahlreiche Freunde des westsyrischen Ritus sowie die Gemeinschaft des Collegium Orientale teil.

Für den Katholikos war es bereits der zweite Besuch in Eichstätt, da seit der Gründung des hiesigen ostkirchlichen Priesterseminars die mit Rom unierten Thomaschristen aus Indien hier studieren und zusammen mit Vertretern anderer Ostkirchen zusammen leben und beten. In seiner Homilie nahm Seine Seligkeit Bezug auf die im westlichen Europa brennende Frage der Berufung zum Priestertum. Jeder, der Christus nachfolgt, soll vor allem ein „normaler Mensch“ sein, der den Heiland kennen lernen will, so der Kardinal. Erst nachdem er selber Jesus Christus als seinen treuen Freund gewonnen hat, kann er für seine Mitmenschen ein geistlicher Vater werden, der sie zu Gott führt. Vor allem soll er sich während des Studiums und auch danach in seinem priesterlichen Leben immer wieder zwei Fragen stellen und versuchen, im Studium und im Leben darauf eine Antwort zu geben: „Warum will ich Priester werden?“ Und „Wie werde/bleibe ich ein guter Priester?“ Die flammenden Worte des Hierarchen prägten sich ins Herz, genauso wie die altehrwürdige Art der Liturgie, die in harmonischer Weise Sinnhaftes und Tiefsinniges verbindet: lebendige Farben und der Glanz der priesterlichen Gewänder und des Altartuchs, der Duft des Weihrauchs, dezenter Klang der Glöckchen sowie das Schallen der Ripidien (= gottesdienstliche Fächer) und – vor allem – ergreifender Gesang der liturgischen Texte, dessen biblische Weite und dogmatische Tiefe von Theologen bewundert wird.

Während einige Teilnehmer, die Indien bereits besucht hatten, mit dem syro-malankarischen Gottesdienst vertraut waren, erlebten die anderen den Qurbono – so heißt die Heilige Messe auf Altsyrisch – zum ersten Mal in ihrem Leben. Einen Zugang zur aktiven Mitfeier bot eine halbstündige Einführung in die syro-malankarische Eucharistie, die der Rektor des Collegium Orientale Oleksandr Petrynko vor dem Gottesdienst von der Geschichte her und am Beispiel einiger Handlungen dieser Liturgie erklärte. Viele Anwesenden allerdings kannten diese Art des Betens bereits durch die wöchentliche Zelebration in deutscher Sprache im Collegium Orientale (meistens freitags um 6:45 Uhr in der Vorlesungszeit). Für alle Interessierten war es aber eine einzigartige Gelegenheit, nicht nur die Kirchengeschichte und Liturgiewissenschaft, die in den Fachbüchern oft kompliziert dargestellt werden, direkt und hautnah zu erleben, sondern auch ein bisschen anders – und dennoch sehr würdig – die heilige Eucharistie mitzuvollziehen und den lebendigen Glauben der Thomaschristen zu erfahren.

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