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08.12.2017

Abschluss des Jubiläumsjahres zum 225-jährigen Bestehen des Priesterseminars in Oradea (Rumänien)

Foto: Yuriy Silnyk

(rr/vuc) Der heilige Kirchenvater Johannes Chrysostomos (349–407) sagte einmal über die Ausbildung der Priester: Ist der Priester sehr gut, so wird er eine gute Gemeinde haben. Ist der Priester gut, so wird er eine zufriedenstellende Gemeinde haben. Ist der Priester aber nur zufriedenstellend, dann wird es keine Gemeinde geben. Der Ausbildung der Priesteramtskandidaten wurde seit der frühesten Zeit besondere Aufmerksamkeit gewidmet.

Die griechisch-katholischen Kirchen in Europa schauen heute auf eine lange Tradition der modernen Priesterausbildung in Seminarien zurück. Durch die Bildungsreformen des Habsburger Kaisers Joseph II. wurden am Ende des 18. Jahrhunderts zahlreiche Priesterseminare in den wichtigsten griechisch-katholischen Kirchen der Donaumonarchie gegründet. Eines dieser bedeutenden Bistümer war das heute in Nordrumänien liegende Oradea Mare (dt. Großwardein), das im Jahr 1792 ein modernes Priesterseminar gründet. Wohl im Bewusstsein der außerordentlichen Bedeutung einer fundierten Priesterausbildung wurde im griechisch-katholischen Bistum Oradea Mare am Nikolaustag 2016 das Jubiläumsjahr des Seminars begonnen, durch zahlreiche Veranstaltungen an Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges erinnert und fand am 5. und 6. Dezember 2017 seinen feierlichen Abschluss.Die 1777 gegründete Eparchie Oradea Mare umfasste in der Vergangenheit die griechisch katholischen Gläubigen in Südungarn (heute: Eparchie Hajdúdorog in Ungarn) sowie in westlichen Rumänien (heute: Eparchie Oradea Mare und Eparchie Lugoj). Nachdem die josephinischen Generalsseminare nach dem Tod Kaiser Josef II. (1790) aufgelöst wurden, gründete sein Nachfolger Leopold II. durch den Bischof Ignatie Darabant von Oradea das Priesterseminar in Oradea am 29. Oktobert 1792. Damals begann der Seminarbetrieb mit 16 jungen Priesteramtskandidaten, die hauptsächlich aus Priestersöhnen und Waisen, aber neben griechisch-katholischen auch aus orthodoxen Alumnen bestanden. Das griechisch-katholische Priesterseminar bildete neben Priesteramtskandidaten auch Katecheten für den Religionsunterricht heran und wurde zum spirituellen, pastoralen und kulturellen Zentrum der griechisch-katholischen Kirche in dieser Region. Daneben war das Priesterseminar auch eine der wenigen Bildungseinrichtungen in Südungarn, in der rumänische Sprache gepflegt wurde und so auch für die spätere nationale Entwicklung eine wichtige Rolle innehatte.

Im Laufe der Geschichte entwickelte sich das Priesterseminar in Oradea weiter: Im Jahr 1846 wurde das alte Jesuitengebäude durch einen moderneren Bau ersetzt und im Jahr 1924 in diesem neuen Gebäude die Theologische Akademie gegründet. Die Ausbildung im Seminar gewann dadurch an akademischem Niveau.

Ein dunkles Kapitel der Seminargeschichte war die gewaltsame Aufhebung der griechisch-katholischen Kirche in Rumänien durch das sozialistische Regime Zeitraum 1948–1989. Dem Ostermysterium gleich, schaffte es die griechisch-katholische Kirche in Rumänien das Priesterseminar, wie das gesamte Kirchenleben, nach 1989 wiederzubeleben. Die Früchte dieses neuen Paschas konnten im Jahr 1994 geerntet werden: 74 Studenten absolvierten ihre theologischen Studien am neu gegründeten Theologischen Institut. Heute gehört die theologische Fakultät im Priesterseminar Oradea zur staatlichen Babeș-Bolyai-Universität in Cluj-Napoca (dt. Klausenburg) in Siebenbürgen. Die Gebäude des Seminars wurden umfangreich modernisiert und mittlerweile bestehen sie aus vier Gebäudekomplexen. Zudem legt man großen Wert auf internationale Zusammenarbeit und infolgedessen besuchen nicht wenige Studenten Hochschulen im Ausland.

Auch das COr in Eichstätt steht in der Tradition der griechisch-katholischen Priesterseminare Österreich-Ungarns, kommt doch ein nicht geringer Teil unserer Kollegiaten aus den griechisch-katholischen Kirchen Mittel- und Osteuropas – und natürlich auch aus den Kirchen des Priesterseminars Oradea. Um eine konsistente und qualitativ hochwertige Priesterausbildung für diese griechisch-katholischen Kirchen zu gewährleisten, ist unser Haus u. a. eingebunden in die europäische Rektorenkonferenz der griechisch-katholischen Priesterseminare. Dadurch ist das COr auch eng verbunden mit dem Priesterseminar in Oradea und konnte sich zusammen mit der dortigen Eparchie und dem Seminar am großen Jubiläum erfreuen.

Zum feierlichen Abschluss des Jubiläumsjahres reisten Rektor Oleksandr Petrynko und Repetitor Robert Rapljenović nach Nordrumänien und vertraten das COr – und damit die griechisch-katholische Priesterausbildung in Deutschland – beim Abschlussfest. Die Feierlichkeiten begannen am Dienstagabend, den 5. Dezember 2017, mit einem Akathistos zu Ehren des Heiligen Nikolaus, dem Patron der Eparchie Oradea und der wunderschönen Kathedrale. Eine große Anzahl von Gläubigen füllte die Domkirche bis auf den letzten Platz und vor der imposanten Ikonostase nahm eine große Zahl rumänischer und internationaler Kleriker am Gottesdienst teil. Bei der anschließenden Vesper wurde aus aktuellem Anlass auch des an diesem Tag verstorbenen letzten Königs von Rumänien, Michael I. (1927–30 u. 1940–47), gedacht. Eine Besonderheit war Prozession und Verehrung der Nikolaus-Reliquie, die in der Kathedrale aufbewahrt wird.

Der Höhepunkt des Abschlussfestes zum Jubiläumsjahr war die Göttliche Liturgie am folgenden Tag. Den Vorsitz der göttlichen Liturgie führten der päpstliche Nuntius in Rumänien und Moldawien, Miguel Maury Buendía, der gastgebende Bischof von Oradea Mare, Virgil Bercea, sowie seine rumänischen Mitbrüder Bischof Alexandru Mesian von Lugoj (bis 1853 ein Teil der Eparchie Oradea), Bischof Florentin Crihălmeanu von Cluj-Gherla, Bischof Vasile Bizău von Maramureș sowie der römisch-katholische Bischof von Oradea, László Bőcskei, der Metropolit der griechisch-katholischen Kirche in der Slowakei, Erzbischof Ján Babjak, der ungarische Metropolit Fülöp Kocsis von Hajdúdorog (bis 1912 ein Teil der Eparchie Oradea) und der griechisch-katholische Exarch für Griechenland, Manuel Nin OSB. Mit ihnen zelebrierten eine Zahl von Priestern und Diakonen aus dem In- und Ausland, wobei die Delegaten der griechisch-katholischen Rektorenkonferenz – allen voran der Rektor des Priesterseminars in Oradea, Anton Vasile Cioba –  als Ehrengäste geladen waren. Die besondere Festlichkeit wurde unterstrichen durch den Gesang eines großen Chores der rumänischen Priesteramtskandidaten. Eine besondere Ehre für einige Alumnen war der Empfang der Niederen Wehen am Anfang der göttlichen Liturgie. Die Tonsur der Priesteramtskandidaten des ersten Jahrganges nahm der päpstliche Nuntius Miguel Maury Buendía persönlich vor und den Seminaristen des dritten und vierten Jahrganges war ihre innere Bewegtheit beim Empfang der Weihe zum Lektor und Hyperdiakon anzusehen.

In seiner Predigt betonte Nuntius Buendía, dass man in dieser Eucharistiefeier bewusst „Danke“ (gr. eucharistéo) sagen möchte, für den Dienst des Priesterseminars in Oradea. Zu den Seminaristen und der Leitung des Priesterseminars sagte der Nuntius, dass dies ein Ort sei, der einem die Möglichkeit gibt, aus der Welt herauszutreten, und dem Heiligen Geist erlaubt, den Verstand und das Herz nach dem Bild Christi zu verwandeln. Auch die zahlreichen anwesenden Priester der rumänischen Kirche erinnerte der Nuntius, dass der Heilige Geist sie unablässig auf dem Weg zu Gott begleitet und im Dienst stärkt. So würde sowohl die Gemeinde, als auch der Priester in Heiligkeit wachsen.

Nach der Liturgie gab es Gelegenheit zur Begegnung mit den Gastgebern Priesterseminar. Beim gemeinsamen Mittagessen tauschten Rektoren der griechisch katholischen Priesterseminare Erfahrungen aus und dankten den Gastgebern für ihre Gastfreundlichkeit.

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Fotos: Yuriy Silnyk

Fotos: Eugen Ivut