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14.10.2017

Erfahrung einer tiefen Gottes- und Schwesterngemeinschaft auf der Kinderalm

Foto: Štefan Varcholík

(a. lippold) Eigentlich sollte unser Bus mit der sechsköpfigen Abordnung des Chores vom Collegium Orientale am Freitagnachmittag des 13.10.2017 schon um 15:00 h da sein; langerwartet war er jedenfalls. Nach vielen Whats’Apps bog er dann um 17:00 h endlich um die letzte steile Kurve der engen Zufahrtsstraße zur „Kinderalm“, dem Kloster der „Schwestern von Bethlehem, der Aufnahme Mariens in den Himmel und des heiligen Bruno“. Was sich hinter diesem langen Namen verbirgt, sollte im Laufe unseres zwei-tägigen Aufenthaltes langsam ans Licht kommen, in den Begegnungen und vielen Gesprächen. Wir waren gerade noch rechtzeitig zur Vesper gekommen, der Vater Oleksandr nach einer Blitzeinweisung völlig professionell vorstand. Wir konnten aus dem Chorraum die Liturgie genießen, die viele uns bekannte Elemente aus dem byzantinischen Ritus, aber auch viele unbekannte Melodien enthielt, alles in deutscher Sprache. Nach der Vesper wurden wir im Pfortenhaus des Klosters von Sr. Laure-Marie, der Priorin, herzlich begrüßt und begannen sofort mit der Chorprobe, denn der große Wunsch der Schwestern war es, die für den Samstagvormittag angesetzte göttliche Liturgie mitsingen zu können. So saß eine Gruppe von ca. 15 Schwestern, ungefähr die Hälfte der Gemeinschaft, im weißen Kapuzenhabit auf Stühlen und am Boden im Halbkreis um uns, wir übten zusammen, als hätten wir schon immer zusammen gesungen und zwei Stunden verflogen wie im Nu. Beim Abendessen erfuhren wir dann auch etwas von der Geschichte dieser monastischen Ordensfamilie, die 1950 nach der Verkündigung des Dogmas der Aufnahme Mariens in den Himmel entstand und nach der Regel des Hl. Bruno, des Begründers der Kartäuser, lebt. Sie stehen in der Tradition der Lauren, jener Heiligen Mönche, die in den Anfängen der Kirche in der Wüste lebten, um Gott anzubeten und zu preisen; deshalb haben sie auch ihre Klöster in mehr als 25 Ländern, immer an abgeschiedenen Orten. „Wir folgen, auf der Suche nach dem Einzig-Notwendigen, einer Lebensweise, die sich am Evangelium ausrichtet, in der Betrachtung des Antlitzes Jesu und des verborgenen Vaters. Unsere Kontemplation schöpft aus dem Wort des Evangeliums, in der Schule Mariens, ständig erneuert durch das Wehen des Heiligen Geistes, im Schweigen, im immerwährenden Gebet, in Einsamkeit, zugleich aber in geschwisterlicher Gemeinschaft…“

Ihre Liebe zur Schönheit der Liturgie konnten wir am nächsten Morgen bei der Matutin um 6:30 h – mehr als 50% von uns waren dabei! – nochmals erleben. Nach einem regen Austausch beim Frühstück und einer kurzen Besichtigung der Klosteranlage sowie einer Einführungsstunde in die Geschichte, die Welt und den Geist der byzantinischen Eucharistiefeier von Vater Oleksandr ging es dann zur Liturgie, bei der wir uns eigentlich schon wie zu Hause fühlten, so deutlich war die Einheit im Gesang, im Gebet und auf der menschlichen Ebene zu spüren. Es war für uns alle eine tiefe Erfahrung der Gemeinschaft mit Gott, unter den Schwestern und untereinander.

Nach einem wieder sehr leckeren Mittagessen, bei dem wir noch weitere Fragen loswurden, machten wir uns auf den Heimweg, dankbar und froh über die Begegnung mit einer Gemeinschaft, die authentisch und voll Freude den Glauben lebt und die Schönheit der Liturgie ebenso liebt wie wir.

Es bleiben zwei Fragen: 1.) Werden wir der Einladung folgen, mal ein paar Tage länger zu kommen und: 2.) Hat V. Oleksandr seine Meinung zu gemischtem Chorgesang geändert, der ja bisher der Überzeugung war, dass die Männer- und Frauenstimmen eigentlich nur in getrennten Chören schön klingen?

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